Vom ausländischen Abschluss zur beruflichen Teilhabe

 
 

Eine Ingenieurin aus der Ukraine arbeitet als Reinigungskraft. Ein syrischer Lehrer fährt Taxi. Ein indischer Arzt sortiert Pakete im Lager. Geschichten wie diese gibt es in Bayern tausendfach. „Menschen, die qualifizierte Berufsabschlüsse aus ihrem Heimatland  mitbringen, arbeiten bei uns weit unterhalb ihres Könnens. Nur, weil der Weg durch das deutsche Anerkennungsverfahren vielen zu komplex ist oder ihnen schlicht die Orientierung fehlt“, berichtet Wolfgang Braun, bfz-Geschäftsführer. Dequalifizierung, fehlende Karriereperspektiven und ein enormes ungenutztes Potenzial für den bayerischen Arbeitsmarkt sind die Folge.

 

Die Anerkennungsberatung Bayern (ABB) arbeitet seit 2016 daran, dieses Potenzial zu heben. An fünf bfz-Standorten – Bamberg, Ingolstadt, Würzburg, Regensburg und Landshut – begleiten Berater*innen Fachkräfte aus dem Ausland durch das gesamte Anerkennungsverfahren. Die Koordination liegt bei den bfz Bildungsforschung.

 

Der Weg zur Anerkennung – persönlich begleitet

Welche Relevanz dieses Angebot hat, beschreibt Dr. Iris Pfeiffer, Leiterin der Bildungsforschung und Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb): „Wir leisten einen wichtigen Beitrag, damit Fachkräfte mit einem ausländischen Berufsabschluss entsprechend ihrer Vorbildung qualifiziert in Deutschland arbeiten können. Unsere Beratung sorgt dafür, dass internationale Fachkräfte nicht in Helfertätigkeiten verharren, sondern ihre Berufsabschlüsse voll einbringen können.“

 

Der Beratungsprozess beginnt mit der Klärung des sogenannten Referenzberufs: Welchem deutschen Berufsbild entspricht der ausländische Abschluss? Welches Amt ist für die Anerkennung zuständig? Welche Unterlagen werden benötigt und in welcher Form? Die Berater*innen unterstützen bei der Zusammenstellung der Dokumente, prüfen Übersetzungen und stehen auch nach Einreichung des Antrags bereit.

 

Bei einer sogenannten Teilanerkennung geht die Arbeit weiter: Gemeinsam werden Lücken identifiziert, individuelle Qualifizierungspläne entwickelt und passende Maßnahmen vermittelt. „Die Beratung endet also nicht mit dem Antrag, sie begleitet den gesamten Weg bis zur qualifikationsgerechten Beschäftigung“, so Dr. Pfeiffer.

 

53.000 Beratungen – und die Nachfrage wächst

Seit Projektbeginn haben die bfz-Mitarbeiter*innen mehr als 50.000 Beratungen durchgeführt und rund 22.000 Personen bei ihrer Anerkennung unterstützt. Der Zugang ist bewusst niedrigschwellig – per E-Mail, Telefon, Video oder persönlich vor Ort.

 

Aktuell finden etwa 450 Beratungen pro Monat statt. 2025 waren vor allem die Referenzberufe Ingenieur*in, Lehrkraft, Pflegefachkraft, Arzt/Ärztin und Betriebswirt*in gefragt. Rund ein Drittel der Ratsuchenden stammte aus der Ukraine, gefolgt von Syrien, Afghanistan, der Türkei und Indien.

Seit 2016

 
 

Zahlen und Fakten

> 53.000

Beratungen

Personen bei Anerkennung unterstützt

≈ 22.000

204

Absolvent*innen zum*r Pflegefachmann*frau 2025

Schüler*innen in der Ausbildung zum*r Pflegefachhelfer*in zum Ausbildungsstart

> 10.000

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