Welcher Beruf passt? Nova berät mit

 
 

Anne Herwig ist seit zwölf Jahren Beraterin bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ihr gegenüber sitzt eine junge Frau, die nach dem Studienabbruch neu starten möchte. Die Möglichkeiten sind zahlreich – die Entscheidung ist entsprechend schwer, die Anforderungen an die Expertin sind hoch. Während die BA-Expertin zuhört, arbeitet im Hintergrund ein KI-Avatar namens „Nova“. Das System schreibt das Gespräch mit, gleicht genannte Kriterien und Interessen mit Berufsdatenbanken – beispielsweise BERUFENET – ab und fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

 

Was hier beschrieben wird, ist keine ferne Zukunftsvision, sondern konkret in der Entwicklung: Das einschlägige Forschungsprojekt nennt sich „E-KI-B“ und steht für „Einbindung von KI in die Berufsberatung und in die Ausbildung von Berater*innen auf der Basis von Spracherkennung“. Entwickelt wurde ein Prototyp, mit dem bereits heute simulierte Beratungsgespräche mit Unterstützung von „Nova“ bewältigt werden können. Umgesetzt wurde er im Verbund der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) mit der Universität Trier und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das f-bb übernahm die wissenschaftliche Evaluation.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

„Nova erkennt Sprache und analysiert den Gesprächsverlauf, um hilfreiche Informationen für die Beratung abzuleiten“, erklärt Andreas Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim f-bb. „Wichtig dabei: Die KI unterstützt, aber sie entscheidet nicht. Sie liefert Ideen und Vorschläge – die Beraterin oder der Berater entscheidet selbst, was davon weiterhilft. Die Validierung der Informationen und die Hoheit über das Beratungsgespräch bleiben somit beim Menschen.“

 

Die HdBA erprobte das Modell mit Berater*innen, Expert*innen und Student*innen. Das f-bb evaluierte den gesamten Prozess und arbeitete Anregungen für die Weiterentwicklung des Systems heraus.

 
 

Großes Potenzial, wenig Vorbehalte

 
 

Die Erfahrungen mit „Nova“ fallen überwiegend positiv aus: „Rund 90 Prozent der Befragten sagen, dass KI das Beratungsgespräch sinnvoll unterstützt und neue Impulse gibt. Nur etwa jede fünfte Person hat größere Bedenken – wobei Studentinnen und Studenten etwas skeptischer sind als erfahrene Expertinnen und Experten“, fasst Kristin Hecker, Projektgruppenleiterin am f-bb, zusammen.

 

„Klar ist: KI wird die Berufslandschaft verändern – und damit auch die Beratung. Gleichzeitig kann sie die Arbeit der Beraterinnen und Berater erleichtern: durch schnellere Informationsaufbereitung, strukturierte Gesprächszusammenfassungen und datenbasierte Impulse“, betont Iris Pfeiffer, Geschäftsführerin des f-bb.

Breiter Zuspruch für Nova

 
 

Zahlen und Fakten

93 %

„KI-Einsatz kann Impulse für das Beratungsgespräch bieten.“

„KI-Anwendung könnte sinnvoller Bestandteil hybrider Beratung sein.“

87 %

21 %

äußerten große Bedenken.

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