
Nachhaltigkeit zum Anfassen
Papierhelden begeistern Jugendliche für nachhaltige Verpackungstechnologie


Zwölf Jugendliche stehen in der Produktionshalle von Hans Kolb Wellpappe in Memmingen. Hier laufen Maschinen, die in wenigen Minuten aus Altpapier stabile Wellpappbogen fertigen. Leon (15) ist beeindruckt.
Noch am selben Tag schöpft und färbt er Papier und verfolgt den Weg vom Rohstoff zum Endprodukt. Am Ende der Woche präsentiert Leon mit anderen Camp-Teilnehmer*innen eigene Verpackungsideen vor Unternehmensvertreter*innen und Eltern. Was wie ein Schulprojekt klingt, ist tatsächlich ein Berufsorientierungsprogramm. Es eröffnet Einblicke in eine Branche, die viele Jugendliche vorher wohl kaum im Blick hatten.
Das „Papierhelden-Camp“ hat der bbw e. V. gemeinsam mit BayPapier – dem Arbeitgeberverband der Papier- und Verpackungsindustrie – ins Leben gerufen und wird vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert.
Vom Rohstoff bis zum Recycling
„Das Camp führt die Jugendlichen durch die gesamte Produktionskette“, erklärt Madlen Rast, Projektleiterin beim bbw e. V. „Sie besuchen Fertigungsstätten, lernen technische Ausbildungsberufe sowie duale Studiengänge kennen und gewinnen Einblicke in die Abläufe der Produktion.“ An der Hochschule München verfolgen sie den Papierkreislauf von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zum Recycling. In den beteiligten Unternehmen – darunter die Hans Kolb Wellpappe GmbH und die VG Nicolaus GmbH – entwickeln sie eigene Verpackungsideen und beschäftigen sich mit nachhaltigen Materialien und Recyclingprozessen. „Bei ihrem Austausch mit Auszubildenden, Fachkräften sowie Ausbilderinnen und Ausbildern lernen sie nicht nur die Branche kennen – sie stärken ganz nebenbei Fähigkeiten wie Teamarbeit, Problemlösungskompetenz und kreatives Denken“, weiß Rast.


Nachhaltigkeit als Berufsperspektive
Heute arbeitet die Papier- und Verpackungsindustrie vorrangig mit nachwachsenden Rohstoffen, setzt auf Recycling und entwickelt innovative Alternativen zu Plastikverpackungen: Nachhaltigkeit gehört längst zum Kern ihres Geschäftsmodells. Gleichzeitig sucht diese traditionsreiche Branche dringend Nachwuchs. Viele Jugendliche verbinden mit Papier und Karton „wenig Innovation“ und „geringe Zukunftsperspektiven“.
Das Camp räumt mit diesem Bild auf: Es zeigt, wie technologisch anspruchsvoll und zukunftsrelevant dieser Industriezweig tatsächlich ist. „Gleichzeitig wird deutlich, welche zentrale Rolle die Papier- und Verpackungsindustrie für eine nachhaltige und umweltfreundliche Zukunft spielt“, betont Rast.
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