
Upskilling4Germany – Fachkräfte aus Afrika für das deutsche Gastgewerbe
In deutschen Hotels und Restaurants bleiben Stellen monatelang unbesetzt, Schichten laufen mit halber Besetzung. Gleichzeitig gibt es in afrikanischen Ländern motivierte Menschen mit Berufserfahrung, denen der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt bisher verschlossen blieb. Seit Oktober 2025 qualifiziert das Programm „Upskilling4Germany“ des internationalen Bereichs der bbw gGmbH und der bfz afrikanische Fachkräfte für Berufe, in denen deutsche Betriebe nach Personal suchen – und das, noch bevor sie nach Deutschland einreisen.

Qualifikation in Modulen – Schritt für Schritt zum Berufsabschluss
„Teilqualifikation“, kurz TQ, ist hier der Lösungsweg: Ausbildungsberufe werden in einzelne Einheiten gegliedert, die jeweils mit einer Kompetenzfeststellung und einem Zertifikat abschließen. Wer alle einzelnen TQs durchläuft, erreicht die vollständige berufliche Handlungskompetenz im zugrunde liegenden Ausbildungsberuf nach deutschem Standard.
Die erste digitale TQ im Beruf „Fachkraft für Gastronomie“ mit Schwerpunkt „Service in der Hotellerie“ startete mit 26 Teilnehmer*innen aus Marokko, Simbabwe, Kamerun und Benin. Neun Wochen lang lernten sie im Blended-Learning-Format – einer Kombination aus Selbststudium, Online-Live-Unterricht und zusätzlicher berufsbezogener Deutsch-Förderung. Die Inhalte reichten von Gästebetreuung und Warenkunde über Hygienestandards bis hin zum Zahlungsverkehr. Der Unterricht fand auf Deutsch statt. Anschließend wechselten 14 Teilnehmer*innen in eine fünfwöchige Praxisphase in regionalen Gastbetrieben. Mit großem Erfolg: Alle konnten am Ende ihre erworbenen Kompetenzen schriftlich und mündlich nach dem deutschem Standard der Arbeitgeberinitiative Teilqualifizierung (AGI TQ) nachweisen.
Die Vorqualifizierung im eigenen Land hat für beide Seiten große Vorteile, wie Laurine Ardjelan, Bereichsleiterin Internationales der bbw gGmbH, erklärt: „Wir qualifizieren Fachkräfte dort, wo sie leben, und bereiten sie vorab auf den Arbeitsalltag in Deutschland vor. Das reduziert Integrationshürden und schafft vom ersten Tag an echte Perspektiven – für die Beschäftigten ebenso wie für die Unternehmen, die sie direkt einsetzen können.“
Von der Gastronomie über die IT bis in die Pflege – ein Modell wächst


Upskilling4Germany ist Teil des Projekts „hub4africa“ und wird durch die Bayerische Staatskanzlei gefördert. Gemeinsam mit der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hat die Staatskanzlei eine Zusammenarbeit vereinbart, um eine gezielte und nachhaltige Fachkräftemigration zu fördern.
Der nächste Schritt: die gesammelten Erfahrungen auf weitere Branchen zu übertragen. „Das Programm ist bewusst so konzipiert, dass es sich flexibel ausbauen lässt“, so Ardjelan. „Durch die einzeln aufeinander aufbauenden Einheiten und den hohen digitalen Anteil können wir es gezielt erweitern – für mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer, neue Regionen sowie weitere Branchen. Inhalte lassen sich standardisieren und gleichzeitig an spezifische Anforderungen anpassen.“
Seit März 2026 läuft daher bereits eine zweite Teilqualifikation. 22 Teilnehmer*innen aus neun Ländern starteten in die viermonatige TQ „IT-Services“ im Beruf IT-Fachinformatiker. Die Theoriephase haben sie bereits abgeschlossen. Aktuell sammeln sie Praxiserfahrung in Unternehmen. Die Kompetenzfeststellung folgt.
Auch für den Pflegebereich entsteht ein neues Format: Da es bislang keine standardisierten Teilqualifikationen gibt, wird ein eigenständiges Programm entwickelt. Es vermittelt grundlegende Kompetenzen und bereitet gezielt auf eine Ausbildung oder Anpassungsqualifizierung in Deutschland vor. Der Start ist für Juli 2026 geplant; Laufzeit zehn Wochen inklusive Kompetenzfeststellung.
So funktioniert die digitale Akquise

Die Teilnehmergewinnung für die TQ „Grundlegender Service“ im Beruf Fachkraft für Gastronomie erfolgte vollständig digital. Über Social Media und eine Plattform mit KI-gestützter Vorauswahl gingen rund 180 Bewerbungen ein. Online-Interviews und monatliche Onboarding-Veranstaltungen filterten nach Sprachkompetenz, Motivation und realistischen Einsatzperspektiven.
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