
Äthiopische Fachkräfte auf dem Weg nach Bayern
Etwa 8.000 Kilometer liegen zwischen der ostäthiopischen Stadt Harar und den Werkshallen bayerischer Industrieunternehmen. Um vor allem die sprachliche und kulturelle Distanz zu überbrücken, sind die bfz und die bbw gGmbH seit diesem Jahr Teil eines von der Stiftung Menschen für Menschen gestarteten Modellprojekts, das Fachkräftegewinnung und Entwicklungszusammenarbeit verbindet. Gefördert wird das Vorhaben von der Bayerischen Staatskanzlei als Teil der bayerischen Afrika-Strategie.
„Das Projekt verbindet zwei zentrale Herausforderungen: die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Äthiopien und den wachsenden Fachkräftemangel in Bayern“, so Laurine Ardjelan, Bereichsleiterin Internationales bei der bbw gGmbH. „Unser Ziel ist es, qualifizierten jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen und bayerische Unternehmen nachhaltig zu unterstützen – fair, strukturiert und zukunftsorientiert.“
Seit der Gründung 1992 haben am Agro Technical and Technology College (ATTC) – betrieben von der Stiftung – in Harar mehr als 3.000 junge Frauen und Männer aus ganz Äthiopien in vier technischen Studiengängen einen Abschluss gemacht. 70 Prozent des College-Unterrichts finden in Werkshallen statt, entsprechend gilt die meist fünfjährige Lehre dort als besonders praxisnah. Für das Projekt ist das College damit ein zentraler Ausgangspunkt, um qualifizierte Fachkräfte für den bayerischen Arbeitsmarkt zu gewinnen.


Online-Unterricht über zwei Kontinente hinweg

„Damit der Start in Bayern gut gelingt, beginnt die Vorbereitung nicht erst mit der Einreise, sondern schon während der Ausbildung in Äthiopien“, sagt Diane Schürmeier, Leiterin des Fachbereichs Migration. „Ein entscheidender Baustein ist dabei die Sprache: Die bfz am Standort München übernehmen den Deutschunterricht und bereiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch intensive Online-Kurse frühzeitig auf die sprachlichen Anforderungen in bayerischen Betrieben vor. Aktuell wird eine Gruppe von knapp 40 Personen sprachlich qualifiziert. 25 sollen anschließend in eine Beschäftigung in Bayern vermittelt werden.“
Der Deutschunterricht ist vollständig digital, handlungsorientiert und praxisnah ausgerichtet. Ziel ist es, nicht nur ein formales Sprachniveau zu erreichen, sondern äthiopischen Fachkräften sprachliche Sicherheit für den Arbeitsalltag zu vermitteln.
Der Einstieg in bayerische Unternehmen ist dann für Sommer 2027 geplant. Bis dahin sollen die Teilnehmer*innen mindestens das offiziell zertifizierte Sprach-Niveau A2 erreicht haben.
Begleitung von Anfang an

Die bbw gGmbH berät die Unternehmen und MFM strategisch. „Wir klären den Bedarf, schlagen den Betrieben passende Bewerberinnen und Bewerber vor und begleiten diese bei Einreise, Behördengängen sowie der Einarbeitung im Betrieb“, so Ardjelan.
Dabei richtet das Projekt seinen Fokus von Beginn an gleichermaßen auf die Bedarfe der bayerischen Unternehmen und der Student*innen. Seit Januar 2026 werden die Bewerber*innen speziell auf ihre Ausreise und eine schnelle Integration in Deutschland vorbereitet. Im Mittelpunkt stehen Themen wie rechtliche Rahmenbedingungen, Erwartungen deutscher Arbeitgeber sowie alltagspraktische Fragen des Lebens in Deutschland.
Seit Januar 2026 werden die Bewerber*innen speziell auf ihre Ausreise und eine schnelle Integration in Deutschland vorbereitet. Im Mittelpunkt stehen Themen wie rechtliche Rahmenbedingungen, Erwartungen deutscher Arbeitgeber sowie alltagspraktische Fragen des Lebens in Deutschland.
Parallel dazu informieren MFM und die bbw gGmbH seit Februar 2026 bayerische Unternehmen in unterschiedlichen Formaten über das Projekt und die Vorteile einer Teilnahme. Neben Online-Impulsen ist für Herbst 2026 auch eine Präsenzveranstaltung in München geplant. Besonders attraktiv für interessierte Betriebe: Durch die Projektförderung entstehen ihnen im Rahmen des Einreiseprozesses keine Kosten.
„Dieses Modellprojekt funktioniert nur, weil unsere Partner ihre unterschiedlichen Stärken einbringen. Wir sind sehr froh, dass wir von der sprachlichen Vorbereitung über die Begleitung der Ausreise bis hin zur Beratung zu Migrationsthemen ein so starkes Netzwerk aufgebaut haben“, sagt Larissa Zwingel, die das Projekt aufseiten der Stiftung Menschen für Menschen koordiniert.
Zeitstrahl des Modellprojekts
1. Oktober 2025
Start der Online-Deutschkurse an den bfz in München
Dezember 2025
Ausbildung von Migrationsberater*innen vor Ort durch die BBW gGmbH, seitdem regelmäßige Begleitung
2026/27
Weitere sprachliche Qualifizierung und interkulturelle Vorbereitung
Ab Sommer 2027
durch BBW gGmbH begleitete Einreise und Einstieg in bayerische Unternehmen

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