
Bayerns Automobilzulieferer im Strukturwandel
130 Mitarbeiter*innen und ein weltweiter Vertrieb: Das Stahl- und Drahtwerk Röslau in Oberfranken produziert vielseitig – von Musiksaiten bis hin zu hochlegierten Drähten. Ein Großteil der technischen Drähte wird zu Federn und Biegeteilen für Fahrzeuge weiterverarbeitet.
Als der Wandel zur E-Mobilität einen gesamten Produktbereich infrage stellt, handelt das Unternehmen frühzeitig. Es holt sich Unterstützung bei „transform.by“. Das bayernweite, staatlich geförderte Transformationsnetzwerk hilft Herstellern und Zulieferern mit Analysen und Weiterbildungsangeboten, den Umbruch zu gestalten – und Arbeitsplätze in Bayern zu sichern. Drei Partner kommen dabei zusammen: das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb), die Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung (ffw) und die Bayern Innovativ GmbH.
Gemeinsam mit „transform.by“ entwickelt Röslau seither neue Geschäftsmodelle, in Workshops entsteht eine gemeinsame Unternehmensvision. Gleichzeitig qualifiziert der Betrieb seine Belegschaft in modernen Produktionstechniken und coacht Führungskräfte im Umgang mit Veränderungen.
Vor ähnlichen Herausforderungen stehen Hunderte kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Bayern. Die Automobilbranche – eine Schlüsselindustrie im Freistaat – wandelt sich: Elektroautos, Digitalisierung, veränderte Mobilitätskonzepte und die Verlagerung von Fertigungs- und Forschungskapazitäten ins Ausland setzen die Branche unter Druck. „Große Konzerne verfügen über eigene Transformationsabteilungen. KMUs fehlen dagegen oft Erfahrungswerte, klare Strategien und Methoden, um den Wandel erfolgreich zu meistern“, berichtet Martin Kommer-Hasenest, Projektleiter am f-bb.
Gemeinsam die Transformation bewältigen
Genau diese Lücke will „transform.by“ schließen. Das f‑bb liefert dafür die nötige Datenbasis: Es hat 900 Unternehmen befragt, 12.000 Stellenanzeigen ausgewertet und 19 Unternehmen vor Ort analysiert. Die Ergebnisse zeigen deutlich, womit viele Betriebe kämpfen: geopolitische Entwicklungen, schwankende Märkte, steigende Energie- und Rohstoffkosten, Fachkräftemangel und eine hohe Innovationsdynamik. Gleichzeitig fehlt die Erfahrung, solche Entwicklungen zu steuern.


Begleitung zum richtigen Zeitpunkt
„Angebote wie ‚transform.by‘ wirken vor allem dann, wenn sie genau zum Bedarf eines Unternehmens passen und früh genug ansetzen“, sagt Kristin Hecker, Projektgruppenleiterin am f-bb. „Viele Betriebe konzentrieren sich zuerst auf neue Technologien. Die sind wichtig – aber sie allein lösen die Herausforderungen nicht. Entscheidend ist, früh Klarheit zu gewinnen: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und welche Schritte sind nötig?“
Genauso wichtig ist ein gutes Personalmanagement: „Der Wandel gelingt nur, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitziehen“, so Kommer-Hasenest. „Dafür brauchen Unternehmen moderne Ansätze im Recruiting, gute Führung und eine klare Kommunikation.“
Zahlen und Fakten
12.000
Ausgewertete Stellenanzeigen
befragte Unternehmen
900
19
Unternehmen vor Ort analysiert
Die Trends der Zukunft
Erfahrung endet nicht mit dem Ruhestand
Zukunft braucht Verantwortung
