Naturschutz kennt keine Grenzen

 
 

Ökologie und Ökonomie im Einklang

Ob brasilianischer Dschungel oder Bayerischer Wald: Die Einstufung einer Landschaft als Naturschutzgebiet ist regelmäßig mit Widerstand aus der Bevölkerung verbunden. Sie befürchtet Einschränkungen oder wirtschaftliche Nachteile. Was dabei oft übersehen wird: Nationalparks können auch neue Chancen bringen – vor allem durch nachhaltigen Tourismus, der zusätzliche Einnahmen schafft.


Seit 1998 wandern Kinder aus den Nationalparkgemeinden Freyung-Grafenau und Regen mit erfahrenen Ranger*innen durch die Wälder des Bayerischen Walds. Sie beobachten Tiere, erkunden Moore und Bergmischwälder, nehmen Pilze und Insekten unter die Lupe. Dabei lernen sie, wie wertvoll Natur ist – und warum es sich lohnt, sie zu schützen. Über 25.000 junge Menschen haben das Junior-Ranger-Programm bisher durchlaufen. Viele kommen aus der Region – und nehmen neues Wissen und ein anderes Verständnis mit nach Hause. So verändert sich oft auch der Blick auf den Nationalpark: Aus Skepsis wird mehr und mehr Verständnis dafür, dass Naturschutz und regionale Wirtschaft gut zusammenpassen – etwa durch nachhaltigen Tourismus.

Der internationale Bereich der bbw gGmbH bringt das Konzept der Junior-Ranger nun nach Brasilien. Denn auch hier befürchtet die Bevölkerung wirtschaftliche Einbußen durch die eingeschränkte Landnutzung. Gemeinsam mit südamerikanischen Organisationen verbindet die bbw gGmbH Umweltbildung mit dem Aufbau eines nachhaltigen Tourismus.


Das Grundprinzip bleibt gleich: Jugendliche erfahren Natur hautnah und verstehen, wie sie geschützt werden kann. Gleichzeitig lernen sie, dass Nationalparks Perspektiven bieten – etwa durch Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten vor Ort.

Erste Schulungen in Santa Catarina

„Rangerinnen und Ranger aus dem Bayerischen Wald steuern die biologischen und erlebnispädagogischen Inhalte bei. Wir übernehmen die organisatorische und strukturelle Umsetzung des Transfers. So organisieren wir die Fortbildungen für die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, entwickeln Handbücher für die brasilianischen Lehrkräfte sowie Rangerinnen und Ranger, stellen erste Material-Kits für die Expeditionen in den Parks und unterstützen den Austausch über die ersten Erfahrungen mit dem Programm“, so Anne Oertel, Projektleiterin bbw gGmbH.

 

2025 fanden dazu erste Gespräche im Nationalpark São Joaquim im Bundesstaat Santa Catarina statt. Gemeinsam mit Schulen und dem pädagogischen Personal des Nationalparks passten die Projektpartner das Konzept an die lokalen Anforderungen an. „Das Interesse war so groß, dass die brasilianische Verwaltung das Programm künftig auch auf weitere Parks in anderen Bundesstaaten übertragen möchte“, erzählt Oertel.

Im Frühling 2026 folgten weitere Schulungen mit Multiplikator*innen aus Naturschutzgebieten und Bildungseinrichtungen.


Der nächste Schritt ist für Herbst 2026 geplant: Eine Delegation aus brasilianischen National- und Naturparks besucht den Bayerischen Wald. Sie lernt das Junior-Ranger-Programm im Ursprungsland kennen, um eigene Ansätze für ihre Parks zu entwickeln.


„Dieses Projekt zeigt, wie Zusammenarbeit über Kontinente hinweg funktionieren kann: Wissen wird geteilt, an lokale Bedingungen angepasst und von den Menschen vor Ort weitergetragen“, freut sich Oertel.

Bayern und Brasilien:
Lernorte für den Naturschutz

Bayern
Brasilien

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